Das Spektrum der sexuellen Identität — Transgender verstehen und begleiten

Das Spektrum der sexuellen Identität — Transgender verstehen und begleiten

July 12, 202632 min read

AAZB- Akademie
Diplomarbeit: Das Spektrum der Sexuellen Identität
Schwerpunkt: Transgender

Autor: Lukas THOMAS
Angestrebter Abschluss: Dipl. Lebens- und Sozialberater
Vorgelegt bei: Paul Lang
Lehrgangs Zeitraum Januar 2023 - Juni 2024
Ménerbes, 04.08.2024

Inhaltsverzeichnis

  1. Ausgangslage — Seite 3
    1.1. Einleitung — Seite 4
    1.2. Persönliches Interesse am Thema — Seite 6
    1.3. Relevanz des Themas für Lebens- und Sozialberater — Seite 6
    1.4. Meine Vision und Ziele — Seite 7

  2. Themenspezifisches Fachwissen — Seite 8
    2.1. Der Weg bis zur Hormontherapie — Seite 8
    2.2. Die Hormontherapie — Seite 9
    2.3. Testosteron und Östrogen Einnahme — Seite 9
    2.4. Mastektomie und Brustvergrößerung — Seite 11
    2.5. Das Leben danach, mit oder ohne Genitaloperation — Seite 11

  3. Beratungskonzept — Seite 13
    3.1. Intention des Konzepts — Seite 13
    3.2. Entwicklung des Konzepts — Seite 13
    3.3. Prozess — Seite 15

  4. Marketing — Seite 18
    4.1. Kurzbeschreibung — Seite 18
    4.2. Ausführliche Beschreibung — Seite 18
    4.3. Zielgruppe — Seite 19
    4.4. Was macht mich zum Experten in diesem Bereich? — Seite 20
    4.5. Meine Positionierung — Seite 20

  5. Praxis (Interviews) — Seite 21
    5.1. Praxis 1 — Alice und die Erkenntnis — Seite 21
    5.2. Praxis 2 — Bens Reise zur Selbstfindung — Seite 23
    5.3. Praxis 3 — Robert und sein Weg zum Transmann — Seite 24

  6. Anhang — Seite 25

  7. Bibliografie — Seite 26

1. Ausgangslage

1.1. Einleitung

In dieser Diplomarbeit geht es um das Spektrum der sexuellen Identitäten, speziell um das Thema Transgender. Das Geschlecht eines Menschen wird bei der Geburt aufgrund des Aussehens der Genitalien zugewiesen. Beim Gender geht es jedoch nicht nur um Biologie, sondern um innere Gefühle, Überzeugungen, Verhalten, Gewohnheiten, Aktionen und Reaktionen. Diese werden uns oft von unserer Kultur vorgegeben und sind programmierte Muster.

In den letzten Jahren ist das Verständnis von Sexualität in Bewegung geraten, die Grenzen zwischen den verschiedenen sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten werden zunehmend durchlässig. Menschen, die sich sexuell verwirrt fühlen oder die den Weg der Transsexualität wählen, zeigen, dass Sexualität ein Spektrum ist, das weit über binäre Vorstellungen hinausgeht.

Tatsächlich wurden bisher 72 Kategorien von Sexualität identifiziert (Quelle: Wikipedia).

Die Ideale von männlich und weiblich beruhen auf Gegensätzen, die es vielleicht gibt, vielleicht aber auch nicht, leider sind sie prägend. Einem männlichen Kind werden Spielzeuglastwagen gegeben, einem weiblichen Kind Puppen, so wie andere "geschlechtstypische" Spielsachen und Kleidung. In meiner eigenen Kindheit zwang mich meine Mutter trotz meines Widerstands, mädchentypische Kleidung zu tragen.

Wir werden alle dazu erzogen, entweder männlich oder weiblich zu sein, mit allen typischen Verhaltensmustern, die damit einhergehen. Wir werden gezwungen, uns dem seit langem bestehenden kulturellen Muster anzupassen, nicht dazu erzogen, uns unserer eigenen geschlechtlichen Individualität anzupassen, sondern aus Angst nicht dazuzugehören, aus der Gesellschaft ausgestoßen zu werden oder der Verurteilung seitens der Familie, Freunden, Bekannten zu entgehen, lernen wir uns in die gesellschaftlichen Normen einzufügen.

Ich möchte einen Beitrag zur Bewegung leisten, die sich den begrenzten Gender- und Sexualidentitäten unserer Kultur widersetzt.

Betrachten wir die folgenden zwei Fälle von Männern, die sich der harten Herausforderung gestellt haben, rechtlich und physisch zu Frauen zu werden. Bevor transidentitäre Personen versuchen, ihre sexuelle Identität zu ändern, müssen sie laut Gesetz in Österreich eine Menge psychologischer und psychiatrischer Untersuchungen durchmachen. Manche, die sich für diesen Weg entschieden haben, entscheiden sich auch für eine chirurgische Geschlechtsanpassung. Hierbei handelt es sich oft um einen sehr komplizierten und risikoreichen Eingriff, ungefähr 50% der Patienten empfinden nach dieser geschlechtsangleichenden Operation nichts mehr in ihren Genitalien.

Mich erschreckt die Tatsache, dass sich einige von ihnen auch nach einer erfolgreichen Operation das Leben nehmen. In meiner Nachbarschaft gab es einen jungen Mann, der alles erreicht hatte, um eine Frau zu sein, einschließlich der Operation. Weniger als ein Jahr später sprang sie aus ihrem Fenster, sie überlebte den Suizidversuch. Es folgten zwei weitere Suizidversuche, welche sie ebenfalls überlebte. Heute ist sie querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl.

Ein anderer Fall, der mir bekannt ist, war ein Mann mit muslimischem Glaubenshintergrund, welcher nach seiner Geschlechtsumwandlung ebenfalls einen Selbstmordversuch unternahm. Nach ihrer Geschlechtsumwandlung wurde sie von ihrer Familie verstoßen, jede weitere Kontaktaufnahme sowohl von ihrer Seite als auch seitens der Familie wurde strikt verboten. Sie war sich bewusst, dass dies passieren könnte, als diese Situation tatsächlich eintrat, konnte sie mit der Ablehnung und dem Verlust der Familie nicht umgehen und versuchte, sich das Leben zu nehmen. Daraufhin wurde sie mit der Diagnose Suizidgefährdung in der psychiatrischen Klinik für ein Jahr behandelt. Trotz aller zur Verfügung gestellter Hilfe beging sie noch in der Klinik Suizid.

Nach diesen traurigen Ereignissen war mein Kopf mit Fragen überladen. Die Suizidgefahr war präsent — warum haben oder konnten die behandelnden Ärzte das nicht verhindern, warum versuchen manche Menschen, sich umzubringen, nachdem sie ihr Ziel erreicht haben, warum war vorher während des Geschlechtsumwandlungsprozesses niemand für sie da? Viele solcher Fragen quälten mich, und so begann ich, den Zusammenhang zwischen Transsexualität und Selbstmordgedanken zu erforschen. Selbstmordgedanken sind bei Transfrauen häufiger anzutreffen, da die gegebenen Östrogene häufig zu mittelgradigen bis schweren depressiven Verstimmungen führen können. Im Gegenzug dazu kann Testosteron antidepressiv wirken. Im Falle der muslimischen Transfrau gilt es selbstverständlich die Umstände ihrer Kultur und ihres Umfeldes sowie die mangelnde Begleitung eines geeigneten Psychologen oder psychologischen Beraters zu beachten.

Wir brauchen ein stärkeres Bewusstsein in unserer Gesellschaft, denn dieses Thema kann jeden von uns betreffen. Außerdem muss nicht jeder, der nicht dem Idealbild eines Mannes oder einer Frau entspricht, transsexuell oder transgender sein. Wir können es uns nicht länger leisten, die Entwicklung des Transgender-Status zu ignorieren oder abzuwerten, wenn sogar schon einige Regierungen begonnen haben, die Definition eines dritten Geschlechts in offiziellen Dokumenten zu legalisieren.

Sobald sich eine Person für eine Geschlechtsumwandlung entscheidet, geht das Leben trotzdem weiter. Sie muss sich nicht nur komplexen Fragen und Aufgaben stellen, die damit verbunden sind, sondern braucht auch besondere Strategien und Fähigkeiten, um mit den Herausforderungen in unserer Gesellschaft fertig zu werden. Als Lebens- und Sozialberater kann dieses Thema relevant sein, da eine Geschlechtsumwandlung nicht nur physische Veränderungen mit sich bringt, sondern auch tiefgreifende psychologische und soziale Herausforderungen, die spezifische Unterstützungsstrategien und Fähigkeiten erfordern, um den Betroffenen zu helfen, in einer nicht so weit vorangeschrittenen Gesellschaft zurechtzukommen.

Denn eines ist klar: Als Transperson ist das Leben anders als für jemanden, der mit dem "richtigen" biologischen Geschlecht geboren wurde.

Keine Operation kann den Transpersonen die Erinnerungen an ihre Vergangenheit nehmen. Viele haben unter Mobbing, Feindlichkeit und Ausgrenzung gelitten. Auch die Suche nach einem geeigneten Partner kann sehr schwierig sein. Sowohl vor, während als auch nach der Veränderung wäre es wichtig, einen guten und einfachen Zugang zu einem psychologischen Berater zu finden, der sich auch intensiv mit diesem besonderen Thema und den dazugehörigen Herausforderungen auseinandergesetzt hat.

Zunächst sollten Berater und Therapeuten feststellen, ob eine Person wirklich im "falschen" Körper steckt oder ob das Gefühl der Geschlechtsidentität aus der nahen Vergangenheit stammt. Da ich als angehender psychologischer Berater die ganzheitliche Betrachtungsweise in meine Arbeit einbeziehe, möchte ich auf mehrere Studien der University of Virginia hinweisen, die in Zusammenarbeit mit Rückführungsbegleitern und Hypnosetherapeuten durchgeführt wurden. Diese Studien haben gezeigt, dass sehr viele Probleme mit der sexuellen Identität aus früheren Leben kommen können. Die Forschungen werden seit den 1970er Jahren betrieben. Es wurde festgestellt, dass Rückführungsbegleiter und Hypnosetherapeuten die sexuell bedingten Kindheitstraumata der Patienten aufdecken und auflösen können. Viele solcher Traumata werden tief verdrängt oder verleugnet, und daraus kann eine Transidentität resultieren. Ich behaupte nicht, dass alle Veränderungen der sexuellen und geschlechtlichen Identität das Ergebnis eines Traumas sein müssen, sei es in diesem Leben oder in einem früheren. Die meisten Transgender-Personen fühlen sich besser, fühlen sich mehr wie sie selbst, sind energiegeladener, engagierter im Leben und haben ein neues Gefühl der persönlichen Selbstbestimmung. Es gibt jedoch auch Herausforderungen, die weniger offensichtlich sind und mit denen Transgender-Personen täglich konfrontiert werden. Kleinigkeiten können Depressionen oder Ängste auslösen. Das Gefühl, dass die Menschen auf der Straße oder in der U-Bahn sie meiden, könnte zu einer regelrechten Paranoia führen. Kommentare von engen Freunden und Familienmitgliedern, bei denen es sich um Kritik handeln könnte, können sehr verletzend sein. Sie können sich Sorgen machen über Dinge wie den Verlust von Freundschaften, über den Bartwuchs, der niemals verschwindet oder einen Bart, der nicht wächst, über einen dauerhaften Gefühlsverlust in den Genitalien, eine zu hohe oder zu tiefe Stimme, die Schuhgröße oder hundert andere "Kleinigkeiten". Ohne professionelle Hilfe können diese und andere Probleme die psychische Weiterentwicklung der Transgender-Personen beeinträchtigen.


1.3. Persönliches Interesse am Thema

Mein Interesse galt schon immer der Unterstützung von Menschen bei ihrem Wohlbefinden und ihrer Identität. Diesem Interesse folgend habe ich mich intensiv mit Fragen der Sexualität und Geschlechtsidentität auseinandergesetzt. Meine persönliche Reise der Selbsterforschung und das Bestreben, andere in ihrer Identität zu verstehen, bilden den Ausgangspunkt meiner Arbeit. In diesem Rahmen habe ich Bücher und Artikel über Queer-Theorie und Gender studiert sowie Interviews mit Personen geführt, die ihre sexuelle Identität auf unterschiedliche Weise erleben und ausdrücken.

Meine persönliche Auseinandersetzung mit meiner Sexualität ist ein fortwährender Prozess. Das ständige Lernen und Erweitern meines Verständnisses spiegelt wider, wie dynamisch und vielschichtig Identitätsentwicklung sein kann. Die andauernde Selbstreflexion hat es mir möglich gemacht, ein besonderes Verständnis und Weitblick auf die verschiedenen sexuellen Identitäten zu haben.

Ich habe mit Menschen gesprochen, die ihre sexuelle Identität auf unterschiedliche Weisen personalisieren. Diese Interviews boten tiefgehende Einblicke in ihre Lebensrealitäten. Einige der Gesprächspartner beschrieben, dass sie sich nicht durchgehend als männlich, weiblich oder transsexuell identifizieren, sondern oft eine neutrale Geschlechtsidentität erleben.

Die gesammelten Berichte zeigen eine breite Palette an Erfahrungen. Während einige Personen Zufriedenheit und Glück in ihrer Identität finden, haben andere mit erheblichen Herausforderungen zu kämpfen. Besonders hervorzuheben ist das Thema Suizid, das in einigen Fällen nach einer Geschlechtsumwandlung auftritt. Diese Tragödien sind oft eng mit dem Umfeld der betroffenen Personen verknüpft, welches nicht immer unterstützend oder verständnisvoll reagiert. Ein unterstützendes soziales Umfeld ist daher von entscheidender Bedeutung für das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit.


1.4. Relevanz des Themas für Lebens- und Sozialberater

Die Arbeit von Lebens- und Sozialberatern ist in der Begleitung von Transpersonen von entscheidender Bedeutung. Dabei spielt nicht nur die Identität selbst eine zentrale Rolle, sondern auch alle anderen Ebenen, die das Leben einer Transperson beeinflussen. Diese Ebenen umfassen die Umfeldebene, die Verhaltensebene, die Strategien und Fähigkeiten, die Glaubenssätze sowie das übergeordnete Ziel und Sinn dahinter.

Die Unterstützung durch Lebens- und Sozialberater ist für Transpersonen essentiell, da sie einen sicheren Raum bieten, um komplexe Fragen und Herausforderungen zu besprechen, so wie dabei helfen, das Selbstvertrauen zu stärken und die nötigen Fähigkeiten zu entwickeln, um als Transperson ein erfülltes und authentisches Leben zu führen. Sie sind eine wertvolle Ressource, um die verschiedenen Ebenen des Lebens einer Transperson zu navigieren und zu integrieren, sodass sie ihre Ziele klarer erkennen und verfolgen können. Die ganzheitliche Betrachtung aller Ebenen ermöglicht es Lebens- und Sozialberatern, Transpersonen umfassend zu unterstützen und sie in ihrer individuellen Entwicklung zu begleiten.


1.5. Meine Visionen und Ziele

Als ganzheitlicher psychologischer Berater für sexuelle Identitäten, spezialisiert auf Transgender, ist es meine Mission, Menschen auf ihrem Weg zu ihrer Geschlechtsidentität unterstützend zu begleiten. Mein Ziel ist es, insbesondere diejenigen zu fördern, die auf ihrer sexuellen Identitätssuche sind. Ich möchte sicherstellen, dass meine Klienten fundierte Entscheidungen treffen können, indem ich ihnen alle notwendigen Informationen und Hilfestellungen zur Verfügung stelle.

Ein wichtiger Teil meiner Arbeit besteht darin, meinen Klienten die Fähigkeiten und Strategien zu vermitteln, die sie benötigen, um ein authentisches und selbstbestimmtes Leben zu führen. Ich unterstütze sie dabei, Herausforderungen wie Diskriminierung zu meistern, die trotz wachsender Akzeptanz noch immer bestehen. Mein Fokus liegt darauf, Menschen zu helfen, ihre wahre Identität zu entdecken und zu leben, indem ich ihnen einen sicheren Raum biete, in dem sie sich selbst finden und entfalten können.

Ich biete eine einfühlsame und respektvolle, ganzheitliche Begleitung an, die auf die individuellen Bedürfnisse und Wünsche meiner Klienten abgestimmt ist. In diesem geschützten Rahmen können sie sich offen mit ihren Gefühlen und Gedanken auseinandersetzen und Schritt für Schritt ihren eigenen Weg gestalten. Hierbei unterstütze ich sie auch mit dem Erlernen von Skills und Stressbewältigungsstrategien.

Durch gezielte Beratung und Coaching-Methoden unterstütze ich sie dabei, innere Barrieren zu überwinden und Selbstbewusstsein aufzubauen. Es ist mir wichtig, dass meine Klienten lernen, mit den Herausforderungen und gesellschaftlichen Erwartungen umzugehen, die mit einer transgender Identität einhergehen können.

Ich möchte ihnen dabei helfen, ihre Träume und Ziele zu verwirklichen und ein erfülltes Leben zu führen. In meiner Arbeit als ganzheitlicher psychologischer Berater setze ich auf Offenheit, Verständnis und Respekt, um eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, die es meinen Klienten ermöglicht, in ihrem eigenen Tempo voranzuschreiten und ihre Identität klar erleben.


2. Themenspezifisches Fachwissen

Wie oben erwähnt gibt es 72 Unterkategorien von sexuellen Geschlechtsidentitäten. Auf diesem Spektrum gibt es auch Menschen, die sich in einer homosexuellen Beziehung befinden und sich nicht homosexuell fühlen. Es gibt Menschen, die sich als homosexuell identifizieren, ebenso gibt es Menschen, die sich oft nicht zu einem alleine zugehörig fühlen und sich somit als Genderfluid bezeichnen. In einer Kultur, wo man eine Identität haben sollte oder ein Label tragen sollte, ist es für solche Menschen schwer, sich zu kategorisieren und wiederzufinden.

Ein Beispiel: Mark Bryan, ein Mann aus Texas, heterosexuell, war Football-Trainer in Amerika, Ingenieur, 2010 nach Deutschland übersiedelt und trägt sehr gerne Röcke und High Heels. Seine Mission ist es laut einem Interview in Purplehazemag.com: "DeGenderFashion ist das, was wir alle wollen, aber ich möchte noch weiter gehen." "Mode entsexualisieren."

In vielen Interviews mit Transgenderpersonen, die noch keine geschlechtsangleichende Operation hatten, kristallisierte sich eine weitere Problemstellung heraus: Viele von ihnen leiden unter einem stark eingeschränkten Selbstwertgefühl und nehmen somit auch Trennungen von Familie und Freunden sowie Lebensgefährten in Kauf, wenn sie das Gefühl haben, ihr Partner oder die Familie akzeptierten sie nicht in ihrer neuen geschlechtlichen Identität. Dazu muss auch gesagt werden, dass das natürlich für den Partner, den man schon vor der Transition hatte, eine Umstellung ist. Hier können auch einige Konflikte entstehen — ich sage damit nicht, dass eine Trennung nicht in Ordnung ist, jedoch wäre auch eine Paartherapie hilfreich aus meiner Sicht.

Ein starker Prozess ist auch die Frage "Wer bin ich?". Bei einigen Transpersonen hat diese spezielle Frage eine Krise ausgelöst und bei anderen sind Reflektionsprozesse zustande gekommen und somit fanden sie einen guten Weg, mit ihrer neuen sexuellen Identität umzugehen. Auch für diesen Prozess gibt es kein einheitliches Rezept — ich denke aber, eine Transperson so gut wie möglich darauf vorzubereiten und Ressourcen zu schaffen ist das, was es braucht, um einen guten und gesunden Weg zu beschreiten.


2.1. Der Weg bis zur Hormontherapie

In Österreich ist der Prozess zur rechtlichen Anerkennung und medizinischen Unterstützung von Transgenderpersonen klar strukturiert. Der erste Schritt besteht in der Konsultation eines Psychologen, bei dem eine einjährige Therapie absolviert wird. Diese Therapie dient der Reflexion und Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit der Geschlechtsidentität. Nach Abschluss dieser Phase wird ein psychologisches Gutachten erstellt, welches die Ergebnisse und Empfehlungen der Therapie dokumentiert.

Zusätzlich zu diesem psychologischen Gutachten wird ein klinisch-psychologisches Gutachten benötigt. Dieses Gutachten dient zur weiteren Bestätigung und detaillierten Untersuchung des psychischen Gesundheitszustands der Person. Weiterhin ist eine Begutachtung durch einen Psychiater erforderlich, um eine umfassende medizinische Bewertung und Diagnose zu gewährleisten.

Je nachdem, in welche Richtung die medizinische Transition erfolgt, ist auch eine Begutachtung durch einen Gynäkologen oder Urologen notwendig. Diese Fachärzte beurteilen die körperliche Gesundheit und geben Empfehlungen für eventuelle medizinische Maßnahmen, die im Rahmen der Transition notwendig sind.

Diese umfassende Begutachtung und Beratung durch verschiedene medizinische Fachkräfte gewährleistet, dass alle Aspekte der Geschlechtsidentität und Transition sorgfältig berücksichtigt werden. Der Prozess soll sicherstellen, dass die betroffene Person gut informiert und vorbereitet ist, um fundierte Entscheidungen über ihren zukünftigen Weg zur Geschlechtsanpassung treffen zu können.


2.2. Die Hormontherapie

Transfrauen erhalten in der Regel eine Kombination aus Östrogen und Antiandrogenen. Östrogene fördern die Entwicklung weiblicher sekundärer Geschlechtsmerkmale wie Brustwachstum, Fettverlagerung und eine Verringerung der Körperbehaarung. Antiandrogene reduzieren die Wirkung von Testosteron, dem männlichen Sexualhormon. Die Dosierung und Art der Hormone können je nach individuellen Bedürfnissen variieren und werden regelmäßig angepasst.

Transmänner erhalten Testosteron, welches die Entwicklung männlicher sekundärer Geschlechtsmerkmale wie tiefere Stimme, Bartwuchs und Muskelmasse fördert. Testosteron kann in verschiedenen Formen verabreicht werden, z.B. als Injektion oder Creme. Die Wirkung von Testosteron kann schnell einsetzen und die Dosis wird ebenfalls regelmäßig überwacht und angepasst.

Während der Hormontherapie ist eine regelmäßige Überwachung durch medizinisches Fachpersonal unerlässlich. Dazu gehören regelmäßige Blutuntersuchungen, um den Hormonspiegel zu kontrollieren und mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen. Bei Bedarf werden Anpassungen an der Medikation vorgenommen, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Die Hormontherapie ist ein zentraler Bestandteil der Geschlechtsanpassung für Transgenderpersonen. Sie erfordert eine sorgfältige medizinische und psychologische Betreuung, um sowohl körperliche als auch emotionale Gesundheit zu unterstützen. Hierbei kann ein gut geschulter psychologischer Berater zur Seite stehen.


2.3. Testosteron und Östrogen Einnahme

In der Geschlechtsangleichung spielen Hormone eine zentrale Rolle, da sie eine Reihe von körperlichen und psychischen Veränderungen bewirken, die unter anderem das äußere Erscheinungsbild und das seelische Wohlbefinden der betroffenen Personen beeinflussen. Bei der Transition von Frau zu Mann (FzM) wird Testosteron verabreicht, während bei der Transition von Mann zu Frau (MzF) Östrogen zum Einsatz kommt.

Testosterontherapie bei FzM

Testosteron ist das primäre männliche Hormon, das den Übergang von weiblichen zu männlichen körperlichen Merkmalen unterstützt. Es bewirkt folgende Veränderungen:

Stimmveränderung — Die Stimme wird tiefer.
Körperzusammensetzung — Der Anteil an Muskelmasse nimmt zu, während der Fettanteil im Körper abnimmt. Dies führt zu einer maskulinen Körperstruktur.
Menstruation — Die Menstruation endet in der Regel, da Testosteron den Eisprung unterdrückt.
Körperbehaarung — Es kommt zu einer Zunahme der Körper- und Gesichtsbehaarung.
Sexuelles Verhalten — Oft wird ein Anstieg der Libido beobachtet.

Nebenwirkungen der Testosterontherapie können auftreten, darunter:

Haarausfall — Viele erleben eine Verminderung des Haarwachstums auf dem Kopf.
Stimmungsschwankungen — Die hormonellen Veränderungen können zu Stimmungsschwankungen führen.
Blutbildveränderungen — Testosteron kann die Zusammensetzung des Blutes beeinflussen, insbesondere den Hämatokrit-Wert.

Östrogentherapie bei MzF

Östrogene sind die primären weiblichen Hormone, die bei der Transition von Mann zu Frau eingesetzt werden, um feminisierende Effekte zu erzielen. Zu den Veränderungen gehören:

Brustentwicklung — Es kommt zum Wachstum von Brustgewebe, welches zu einer weiblicheren Brustform führt.
Körperbehaarung — Der Haarwuchs am Körper und im Gesicht nimmt ab.
Körperfettverteilung — Die Fettverteilung im Körper verändert sich an Hüften, Oberschenkeln und Gesäß, was zu einer weiblicheren Figur führt.
Veränderung der Libido — Oft wird eine Reduktion der Libido beobachtet.
Stimmveränderung — Obwohl die Stimme höher werden kann, ist dies oft weniger ausgeprägt als bei FzM-Transgenderpersonen.

Auch bei der Östrogentherapie können Nebenwirkungen auftreten:

Stimmungsschwankungen — Die Veränderung des Hormonspiegels kann zu emotionalen Schwankungen führen.
Depressionen — Besonders in der Anfangsphase der Therapie kann es zu depressiven Verstimmungen kommen.

Die Hormontherapie ist ein wesentlicher Bestandteil der geschlechtlichen Transition und führt zu signifikanten körperlichen und psychischen Veränderungen. Es ist wichtig, dass diese Behandlungen unter medizinischer Aufsicht erfolgen, um die Nebenwirkungen zu überwachen und das Wohlbefinden der Betroffenen zu gewährleisten.


2.4. Die Mastektomie und Brustvergrößerung

Der nächste Schritt auf dem Weg der Geschlechtsangleichung umfasst oft chirurgische Eingriffe wie die Mastektomie oder die Brustvergrößerung. Diese Operationen sind wichtige Meilensteine, die helfen, das äußere Erscheinungsbild an das empfundene Geschlecht anzupassen. Wie bei jeder Operation sind auch hier Risiken vorhanden, darunter Infektionen, Blutungen und Komplikationen durch die Anästhesie.

Bei einer Transition von Frau-zu-Mann (FzM) besteht zusätzlich die Möglichkeit, die Gebärmutter und die Eierstöcke entfernen zu lassen. Dies ist ein bedeutender Schritt, der oft aus gesundheitlichen oder persönlichen Gründen gewählt wird.

Der gesamte Prozess der Transition beinhaltet neben den körperlichen Veränderungen auch intensive psychologische Aspekte. Transpersonen durchlaufen eine Vielzahl emotionaler und mentaler Herausforderungen, da sie ihre Identität und ihr Selbstbild neu definieren. Die Unterstützung durch Fachleute wie zum Beispiel einen ganzheitlichen psychologischen Berater und soziale Netzwerke spielt hierbei eine entscheidende Rolle, um diesen Weg erfolgreich zu bewältigen.


2.5. Das Leben danach, mit oder ohne Genitaloperation

Das Leben nach einer Genitaloperation bei Transgenderpersonen bringt eine Vielzahl von Veränderungen und Herausforderungen mit sich. Unabhängig davon, ob eine Person sich für eine solche Operation entscheidet oder nicht, bleibt das Leben nach der Transition in vielerlei Hinsicht "anders". Besonders hervorzuheben ist die Notwendigkeit einer lebenslangen Hormontherapie. Diese Hormonbehandlungen sind unerlässlich, um das gewünschte Geschlechtshormon-Level zu halten, und erfordern regelmäßige medizinische Kontrollen. Dazu gehören regelmäßige Blutuntersuchungen und Besuche bei Fachärzten wie Urologen oder Gynäkologen, um die Gesundheit zu überwachen und mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen.

Eine kritische Betrachtung dieser Punkte ist notwendig, um die langfristigen Verpflichtungen und die gesundheitlichen Auswirkungen der Transition deutlich zu machen. Die Entscheidung, sich einer Genitaloperation zu unterziehen, ist eine sehr persönliche und bedeutende Entscheidung, die nicht jede Transgenderperson trifft. Manche entscheiden sich für diesen Schritt, um ihre körperliche Erscheinung weiter an ihre Geschlechtsidentität anzupassen, während andere sich aus verschiedenen Gründen dagegen entscheiden. Diese Gründe können gesundheitliche Bedenken, persönliche Überzeugungen oder die Wahrnehmung der eigenen Identität umfassen.

Ein zentraler Aspekt, der in diesem Zusammenhang oft übersehen wird, ist die Unumkehrbarkeit vieler Schritte im medizinischen Prozess der Geschlechtsangleichung. Sobald eine Hormontherapie gestartet wurde oder eine Genitaloperation durchgeführt wurde, gibt es keinen Weg zurück, und es ist entscheidend, dass die betroffene Person sich dieser Tatsache voll bewusst ist. Hier setzt der Beratungsprozess an, der eine wesentliche Rolle spielt, um sicherzustellen, dass jede Entscheidung wohlüberlegt und auf einer umfassenden Auseinandersetzung mit den eigenen Wünschen und Zielen basiert.

Der Beratungsprozess sollte darauf abzielen, den Klienten alle notwendigen Informationen bereitzustellen, um ihnen zu helfen, die Tragweite ihrer Entscheidungen zu verstehen. Dies umfasst die Diskussion der physischen, psychischen und sozialen Auswirkungen einer Hormontherapie und Genitaloperation sowie die Erörterung der damit verbundenen medizinischen Verpflichtungen. Es ist entscheidend, dass Transgenderpersonen sich sicher und unterstützt fühlen, während sie diese wichtigen Lebensentscheidungen treffen. Ein qualifizierter psychologischer Berater kann dabei helfen, Klarheit zu schaffen und sicherzustellen, dass die Person gut vorbereitet ist, die langfristigen Konsequenzen zu tragen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Leben nach einer begonnenen Hormontherapie oder Genitaloperation sowohl Herausforderungen als auch Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung bietet. Ein umfassender und gut strukturierter Beratungsprozess ist unerlässlich, um Transgenderpersonen auf ihrem Weg zu begleiten, ihnen die notwendigen Ressourcen und Unterstützung zu bieten und sicherzustellen, dass sie informierte und selbstbestimmte Entscheidungen treffen können.


3. Beratungskonzept

3.1. Intention des Konzepts

Mein Beratungskonzept basiert aus einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema, aus persönlichen Erfahrungen, Interviews, wissenschaftlicher Literatur und meiner eigenen Reise zur Transition. Die zentrale Intention meines Konzepts ist es, eine umfassende und individuell angepasste Unterstützung für Klienten zu bieten, die sich mit Fragen ihrer Identität und Selbstfindung auseinandersetzen. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die einzigartigen Geschichten und Hintergründe jedes Klienten gelegt, um sicherzustellen, dass die Beratung stets respektvoll, ganzheitlich und auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist.

Ein wesentlicher Bestandteil meines Ansatzes ist die Verwendung der Dilts-Pyramide und des großen NLP-Zielmodells. Diese beiden Modelle ergänzen sich hervorragend und bieten eine fundierte Grundlage für die Arbeit an verschiedenen Ebenen des menschlichen Seins, von der Umwelt bis hin zur tiefsten Identität. Die Dilts-Pyramide ermöglicht es, die unterschiedlichen Ebenen des Lebens eines Klienten systematisch zu erkunden und zu verstehen, während das NLP-Zielmodell dabei hilft, klare, realisierbare Ziele zu formulieren und zu erreichen.

Die Kombination dieser Modelle bildet die Basis meines Konzepts, doch bin ich auch offen für andere Techniken und Methoden. Je nach Bedarf und meinem Gefühl, das während des Beratungsprozesses entsteht, können unterschiedliche Ansätze integriert werden. Dies gewährleistet eine flexible und anpassungsfähige Beratung, die den einzigartigen Herausforderungen und Wünschen des Klienten gerecht wird.

Meine Intention ist es, nicht nur auf der Ebene der akuten Problemstellungen zu arbeiten, sondern auch eine tiefgehende und nachhaltige Transformation zu ermöglichen. Ich strebe danach, Klienten langfristig dabei zu unterstützen, ein tieferes Verständnis für sich selbst zu entwickeln, alte Muster zu erkennen und zu überwinden und einen authentischen Weg zu einem erfüllten und stimmigen Leben zu finden.


3.2. Entwicklung des Konzeptes

Die Entwicklung meines Beratungskonzeptes basiert auf einer Kombination aus eigenen Erfahrungen, individuellem Wissen und einem tiefen Verständnis der vielfältigen Bedürfnisse meiner Klienten. Es handelt sich um ein flexibles und anpassungsfähiges Konzept, das speziell auf die einzigartigen Situationen und Herausforderungen jedes einzelnen Klienten zugeschnitten wird. Im Kern meines Konzeptes steht die Anwendung der Dilts-Pyramide, ein Modell, welches verschiedene Ebenen menschlichen Verhaltens und Denkens systematisch beleuchtet. Ergänzt wird dieses Modell durch eine weitere Technik wie Rückführung, welche ich ebenfalls in meine Beratungsarbeit integriere.

Persönliche Erfahrung als Basis

Die Wurzeln dieses Beratungskonzeptes liegen in meinen eigenen Erfahrungen. Mein eigener Weg der Selbstfindung und die intensive Auseinandersetzung mit Themen wie Geschlechtsidentität und persönliche Entwicklung haben mich tief geprägt. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, eine unterstützende und wertfreie Umgebung zu schaffen, in der sich meine Klienten offen über ihre Gedanken und Gefühle äußern können. Durch meine eigene Reise habe ich ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen, Ängste und Hoffnungen entwickelt, die viele Menschen in ähnlichen Situationen empfinden.

Flexibilität und Individualisierung

Ein zentrales Merkmal dieses Konzeptes ist seine Anpassungsfähigkeit. Jeder Klient bringt einzigartige Erfahrungen, Hintergründe und Bedürfnisse mit. Daher ist es unerlässlich, dass das Beratungskonzept flexibel ist und auf die spezifischen Gegebenheiten und der Herkunftsgeschichte des Einzelnen eingeht. Die Anwendung der Dilts-Pyramide ermöglicht es, die verschiedenen Ebenen des Seins — von der Umwelt bis zur Identität — umfassend zu betrachten und individuelle Interventionsstrategien zu entwickeln.

Integration von Rückführung

Neben der Dilts-Pyramide umfasst das Konzept auch Techniken wie Rückführung. Rückführungen bieten die Möglichkeit, zu vergangenem, oft prägenden und auch vergessenen Ereignissen zurückzukehren, um diese zu verarbeiten. Diese prägenden und auch mal "vergessenen" Erlebnisse, die im Unterbewusstsein gespeichert sind, können das gegenwärtige Verhalten und die zu treffenden Entscheidungen beeinflussen. Durch die Bearbeitung solcher Erlebnisse können Klienten alte Muster auflösen und sich auf neue, selbstbestimmte Wege ausrichten.

Es ist wichtig zu betonen, dass das Unterbewusstsein nichts vergisst. Zahlreiche wissenschaftliche Studien, insbesondere der Virginia University, unterstützen diese Thesen und zeigen, dass das Unterbewusstsein Informationen speichert, die für das Bewusstsein nicht immer zugänglich sind. Die Arbeit mit Rückführung kann somit helfen, diese versteckten Erinnerungen ans Licht zu bringen und zu bearbeiten.

Die Entwicklung dieses Beratungskonzeptes ist das Ergebnis eines Zusammenspiels persönlicher Erfahrungen, theoretischem Wissen und praktischer Anwendung in meinem täglichen Leben. Es bietet einen ganzheitlichen Ansatz, der nicht nur die äußeren Umstände eines Klienten berücksichtigt, sondern auch tiefere psychologische und emotionale Aspekte mit einbezieht. Durch die Kombination verschiedener Methoden und Techniken, insbesondere der Dilts-Pyramide, das große NLP-Ziele Modell und der Rückführung, wird eine umfassende und individuell angepasste Unterstützung ermöglicht.

Dieses Konzept ist darauf ausgelegt, meine Klienten auf ihrem Weg zu begleiten, ihnen zu helfen, sich von alten, belastenden Erfahrungen zu lösen und eine neue, authentische Identität zu entwickeln. Es zielt darauf ab, nicht nur kurzfristige Erleichterung zu bieten, sondern langfristige, nachhaltige Veränderungen zu fördern und zu festigen, die das Wohlbefinden und die Selbstakzeptanz des Klienten stärken.


3.3. Prozess

Die Dilts-Pyramide, auch bekannt als "Modell der logischen Ebenen", ist ein hilfreiches Werkzeug, um verschiedene Dimensionen menschlichen Verhaltens und Denkens zu verstehen und zu beeinflussen. Sie reicht von der physischen Umwelt über Verhalten und Fähigkeiten bis hin zu Glaubenssätzen, Identität und Zugehörigkeit. In einem Beratungsprozess zum Thema Transgender kann dieses Modell umfassend eingesetzt werden, um eine tiefgehende und ganzheitliche Unterstützung zu bieten.

Ebene Umfeld

  • Wo befindest du dich?

  • Welche Personen sind in deinem Umfeld?

  • Welcher sozialen Umgebung gehörst du an?

Der Fokus liegt auf dem Umfeld des Klienten, einschließlich sozialer und physischer Aspekte. Es ist wichtig, die Einflüsse der Umgebung auf das Wohlbefinden der Person zu verstehen. Der Berater sollte untersuchen, ob das aktuelle Umfeld unterstützend ist oder ob es möglicherweise limitierende Auswirkungen auf das Wohlbefinden gibt.

Öko-Check-Fragen:

  • Wie wirken sich Veränderungen in der Umgebung auf dein Wohlbefinden aus?

  • Sind diese Umgebungen unterstützend für dich?

  • Gibt es mögliche limitierende Auswirkungen auf dein Wohlbefinden?

Ebene Verhalten

  • Welche Schritte hast du bereits getroffen?

  • Wie verhältst du dich in verschiedenen Situationen?

  • Wie drückst du deine Identität aus?

Hier wird untersucht, wie sich die Person in unterschiedlichen Kontexten verhält, z.B. hinsichtlich geschlechtsspezifischer Ausdrucksweisen wie Kleidung, Stimme oder Interaktionen mit anderen. Ziel ist es, authentische und stimmige Verhaltensweisen zu fördern.

Öko-Check-Fragen:

  • Welche Auswirkungen haben Verhaltensänderungen auf dich selbst und andere?

  • Sind diese Veränderungen authentisch und stimmig mit deiner Identität?

Ebene Fähigkeiten

  • Was kannst du?

  • Welche Fähigkeiten und Kompetenzen hast du?

  • Welche Fähigkeiten brauchst du, um dich sicher und authentisch auszudrücken?

Der Fokus liegt auf den Fähigkeiten und Fertigkeiten, die notwendig sind, um sich sicher und authentisch zu fühlen. Es wird ermittelt, welche Kompetenzen entwickelt werden sollten, um positive Veränderungen umzusetzen.

Öko-Check-Fragen:

  • Welche Fähigkeiten sind notwendig, um positive Veränderungen umzusetzen?

  • Sind diese Fähigkeiten realistisch zu erlernen oder zu entwickeln?

  • Könnte der Erwerb neuer Fähigkeiten Stress verursachen oder bestehende Ressourcen belasten?

Ebene Glaubenssätze und Werte

  • Was glaubst du?

  • Was ist dir wichtig?

  • Welche Überzeugungen hast du über dich selbst und die Welt?

Es wird untersucht, welche Glaubenssätze und Werte die Person über sich selbst und ihre Geschlechtsidentität hat. Schädliche oder einschränkende Überzeugungen können identifiziert und herausgefordert werden, während unterstützende Glaubenssätze gefördert werden.

Öko-Check-Fragen:

  • Welche Überzeugungen könnten durch neue Einsichten beeinflusst werden?

  • Sind diese Veränderungen in Einklang mit den tieferen Werten der Person?

Ebene Identität

  • Wer bist du?

  • Wie siehst du dich selbst?

  • Wie definierst du deine Identität?

Der Fokus liegt auf dem Selbstbild und der persönlichen Identität der Person. Ziel ist es, das Verständnis und die Akzeptanz der eigenen Identität zu fördern und bestehende Identitätskonflikte zu bearbeiten.

Öko-Check-Fragen:

  • Welche Auswirkungen hat die Veränderung der Selbstwahrnehmung auf die Person?

  • Gibt es Aspekte der Identität, die geschützt werden müssen?

  • Wie wird das veränderte Selbstbild von der Person und ihrem Umfeld wahrgenommen?

Ebene Zugehörigkeit/Mission

  • Welches Ziel strebst du an?

  • Welchen Beitrag möchtest du leisten?

  • Wie ordnet sich deine Identität in ein größeres Ganzes ein?

Diese Ebene betrifft das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft oder einem größeren Zweck. Der Beratungsprozess kann der Person helfen, ihre Identität in einem sozialen Kontext zu leben und sich in eine größere Gemeinschaft zu integrieren.

Öko-Check-Fragen:

  • Wie wirkt sich die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen auf die Person aus?

  • Unterstützen diese Gruppen die persönliche Entwicklung?

  • Gibt es Risiken durch soziale Isolation oder Gruppendruck?

Jede Ebene der Dilts-Pyramide bietet dem psychologischen Berater wertvolle Einblicke in die Lebensrealität der Klienten und hilft, gezielte Interventionsmöglichkeiten zu entwickeln. Durch die Anwendung dieses Modells kann der Beratungsprozess strukturiert und ganzheitlich gestaltet werden, was eine tiefere und nachhaltigere Unterstützung für Transgenderpersonen ermöglicht.


4. Marketing

4.1. Kurzbeschreibung

Als ganzheitlicher psychologischer Berater für sexuelle Identitätsfindung begleite und unterstütze ich dich auf deinem Weg zu Authentizität und Wohlbefinden.


4.2. Ausführliche Beschreibung

In meinen Sitzungen biete ich umfassende Unterstützung für Menschen, die sich mit ihrer Geschlechtsidentität auseinandersetzen wollen. Ich verstehe aus eigener Erfahrung die Herausforderungen, die mit der Erkundung und dem Ausdruck der eigenen Identität einhergehen können, und begleite dich einfühlsam auf diesem Weg. Mein Ziel ist es, dich dabei zu unterstützen, authentisch zu leben und ein Gefühl des Wohlbefindens zu finden.

Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf der Begleitung von Transgenderpersonen. Ich stehe dir zur Seite, wenn du den Weg zur Transition gehst und unterstütze dich dabei, die Entscheidungen zu treffen, die für dich richtig sind. Dabei geht es nicht nur um medizinische oder rechtliche Aspekte, sondern auch um die emotionale und soziale Dimension dieses Prozesses.

Neben der individuellen Begleitung von Transgenderpersonen biete ich auch Unterstützung für ihre Angehörigen an. Lebensgefährten, Familienmitglieder und Freunde spielen oft eine wichtige Rolle in diesem Prozess und können selbst vor Herausforderungen stehen, wenn sie lernen, die Identität ihres geliebten Menschen zu verstehen und zu akzeptieren. Ich helfe Angehörigen, ihre eigenen Gefühle zu verarbeiten und die bestmögliche Unterstützung zu bieten.

Mein Angebot richtet sich zudem an Menschen, die sich allgemein mit dem Thema Transgender auseinandersetzen möchten, sei es aus persönlichem Interesse, beruflichen Gründen oder weil sie jemanden im Freundes- oder Familienkreis haben, der transgender ist. Ich biete Informationen, Beratung und Schulungen an, um ein besseres Verständnis für die Vielfalt der Geschlechtsidentitäten zu fördern.

In einer sicheren und unterstützenden Umgebung kannst du dich offen über deine Gedanken und Gefühle austauschen. Gemeinsam arbeiten wir daran, Herausforderungen zu bewältigen, Selbstakzeptanz zu fördern und ein authentisches Leben zu führen, das deinem wahren Selbst entspricht.


4.3. Zielgruppe

Die Zielgruppe besteht aus Menschen, die sich in einer Phase der Unsicherheit bezüglich ihrer sexuellen Orientierung oder Identität befinden. Diese Personen durchleben eine Zeit, in der sie möglicherweise Zweifel oder Verwirrung über ihre sexuellen Gefühle und Gedanken empfinden. Sie haben das Bedürfnis, sich über ihre Identität klarer zu werden und suchen nach sicheren Räumen, in denen sie ihre Gefühle und Gedanken ausdrücken und reflektieren können.

Unsicherheit und Verwirrung

Die Menschen in dieser Zielgruppe sind oft unsicher oder verwirrt über ihre sexuelle Orientierung oder Identität. Sie stellen möglicherweise ihre sexuelle Anziehung, ihre Geschlechtsidentität oder beides in Frage. Diese Unsicherheit kann in verschiedenen Lebensphasen auftreten und ist nicht auf eine bestimmte Altersgruppe beschränkt.

Selbstfindung

Viele in dieser Gruppe fühlen sich, als würden sie nicht wissen, wer sie wirklich sind. Sie befinden sich in einem Prozess der Selbstfindung, in dem sie versuchen, ihre eigene Identität zu verstehen und zu akzeptieren. Diese Suche kann sowohl emotional als auch intellektuell anspruchsvoll sein, da sie oft mit gesellschaftlichen Normen und persönlichen Erwartungen kollidiert.

Bedürfnis nach einem sicheren Raum

Ein wesentliches Bedürfnis dieser Zielgruppe ist das Bedürfnis nach einem sicheren Rahmen, in dem sie ihre sexuellen Gefühle und Gedanken besprechen können. Ein sicherer Raum ermöglicht es ihnen, sich frei auszudrücken, ohne Angst vor Verurteilung oder Diskriminierung.

Die Hauptherausforderungen dieser Zielgruppe bestehen darin, einen sicheren und unterstützenden Raum zu finden, in dem sie offen über ihre Gefühle sprechen können. Oftmals fühlen sie sich isoliert oder missverstanden, was den Prozess der Selbstfindung erschweren kann. Der Zugang zu geeigneten Ressourcen und unterstützenden Netzwerken ist für sie von entscheidender Bedeutung.


4.4. Was macht mich zum Experten in diesem Bereich?

Meine Expertise auf diesem Gebiet entsteht dadurch, dass ich selbst den Weg durchlebt habe und aus erster Hand verstehe, wie es ist, im "falschen" Körper zu sein. Diese Erfahrung gibt mir eine tiefe, authentische Perspektive und ein tiefes Verständnis. Die Ausbildung zum psychologischen Berater gibt mir Wissen und die Werkzeuge, um Menschen professionell zu unterstützen.

Meine Fähigkeiten, empathisch zu sein und ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen anderer zu haben, stärken meine Position als vertrauenswürdiger, ganzheitlicher psychologischer Berater.

Diese Kombination aus persönlicher Erfahrung, professioneller Qualifikation und Leidenschaft macht mich zu einem Experten in meinem Bereich. Ich bin in der Lage, anderen authentisch und kompetent zu helfen, weil ich selbst einen ähnlichen Weg gegangen bin und sowohl theoretisches als auch praktisches Wissen mitbringe.


4.5. Meine Positionierung

Ich positioniere mich als einfühlsamer und kompetenter, ganzheitlicher psychologischer Begleiter, der Menschen in ihrer sexuellen Identitätsfindung unterstützt. Meine Beratungen basieren auf einem tiefen Verständnis für die vielfältigen und oft komplexen Herausforderungen, die mit der Erkundung der eigenen sexuellen Identität verbunden sind. Ich biete nicht nur professionelle Unterstützung, sondern auch eine vertrauensvolle und wertschätzende Umgebung, in der sich meine Klienten sicher und verstanden fühlen können.

Meine Arbeit zeichnet sich durch eine ganzheitliche Herangehensweise aus, die sowohl die emotionalen als auch die sozialen Aspekte der Identitätsfindung berücksichtigt. Durch individuelle Beratung helfe ich dir dabei, deine eigene sexuelle Identität zu finden und authentisch zu leben.


5. Praxis (Interviews)

In den folgenden Beispielen wurden die Namen verändert, um die Privatsphäre der jeweiligen Personen zu bewahren, wie auch aus Datenschutzgründen.

5.1. Alice und die Erkenntnis

Einer meiner Interviewpartnerinnen war Alice, sie kommt ursprünglich nicht aus Österreich, die mir ihre Geschichte über ihre sexuelle Verwirrung erzählte. Schon in ihren frühesten Schuljahren galt sie als ungewöhnlich körperlich stark. Sie nahm sogar an der rein männlichen Baseball-Mannschaft der Schule teil. Alice wollte ein Junge sein. Schon früh erkannte sie, wie viel besser es gewesen wäre, ein Mann zu sein.

Sie träumte oft, sie hätte einen Penis, einen Traum, der ihr große Angst machte. Als Teenager bekam sie dunkle Haare an Kinn, Oberlippe und Brust. Allerdings wuchsen ihre Brüste nicht. Sie entdeckte auch, dass sie sexuell eher dominant war. Als schöne Frau zog sie viele Liebhaber an, ließ sie aber schon bald wieder fallen. In späteren Jahren wurde sie bisexuell. Damals hatte sie herausgefunden, dass ihre Klitoris direkt nach der Geburt beschnitten worden war, weil die Ärzte sie für zu groß hielten.

Im Alter von 32 Jahren beschäftigte sich Alice mit der Vergangenheitstherapie. Sie und ihr Therapeut untersuchten ihre pränatale Phase, die unklar, wenn nicht sogar toxisch und voller Ängste ihrer Mutter war. Während der Sitzung empfand sie ihre Geburt als schwierig, da sie mit den Füßen voran aus dem Geburtskanal kam. Gerade als das geschah, wechselte sie schnell die Spur. Plötzlich war sie ein Mann, der aus dem Mutterleib kam. Glücklicherweise verstand der Therapeut, was geschah, und griff nicht ein. Alice hatte als männliches Baby ständig Schmerzen. Er/sie war mit sechs Monaten zu früh geboren. Er begann zu schreien, weil er keine Luft mehr bekam. Seine brennenden Lungen waren nicht ausreichend entwickelt, um richtig atmen zu können. Zwei Wochen später starb er.

Die weibliche Alice wusste nichts von diesem Baby. Weder ihre Mutter noch ihr Vater sagten ein Wort darüber. Später fand sie heraus, dass das männliche Baby, das starb, ihr Bruder war. Beide Eltern hatten sich einen Jungen gewünscht. Ihre Mutter wurde beschuldigt, für seinen Tod verantwortlich zu sein und wurde daraufhin wegen Schizophrenie in eine Anstalt eingewiesen.

Von dieser Sitzung bis heute, etwa vierzig Jahre später, machte sich Alice nie wieder Sorgen um ihre sexuelle Identität. Sie glaubt, dass ihr Bruder als weibliche Alice vom Tod zurückgekehrt ist, jedoch mit vielen männlichen Merkmalen. Sie stellt außerdem fest, dass feminin, maskulin und neutral nur Teile einer riesigen und sehr elastischen Auswahl an sexuellen Identitäten sind. Bei jedem Menschen kommen diese verschiedenen Identitäten mit jedem Atemzug anders zum Vorschein; wir erlauben es uns einfach nicht, es zu bemerken.

Dieses Interview veranschaulicht eindrucksvoll, wie Rückführung und psychosoziale Beratung dabei helfen können, tiefsitzende psychische und emotionale Belastungen aufzudecken und zu bewältigen. Die interviewte Frau entdeckte durch die Rückführung, dass ihre Eltern vor ihrer Geburt einen Sohn verloren hatten, der kurz nach der Geburt verstarb. Kurz darauf wurde die Mutter erneut schwanger und trug Alice aus. Während dieser Schwangerschaft nahm Alice, noch im Mutterleib, die intensiven Gefühle ihrer trauernden Mutter unbewusst wahr. Diese emotionale Belastung prägte Alice tief, insbesondere da beide Eltern sich wieder einen Sohn erhofften.

Nach der Geburt wurde Alice einer medizinischen Maßnahme unterzogen, bei der ihre Klitoris beschnitten wurde, was eine zusätzliche traumatische Erfahrung darstellte. In ihrer frühen Kindheit erlebte sie zudem sexuelle Gewalt. Sowohl diese körperlichen Eingriffe als auch die emotionalen Belastungen während der Schwangerschaft beeinflussten ihre Entwicklung nachhaltig und prägten ihr Unterbewusstsein.

Durch die Rückführung konnte Alice diese unbewussten Prägungen und Zusammenhänge aufdecken. Die Rückführung ermöglichte es ihr, die tiefliegenden Ursachen ihrer inneren Konflikte zu erkennen und die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Dieses Beispiel unterstreicht die Wirksamkeit der Rückführungsbegleitung in Kombination mit psychosozialer Beratung, um unbewusste Traumata zu identifizieren und eine langfristige emotionale Heilung zu ermöglichen.


5.2. Bens Reise zur Selbstfindung

Lukas Thomas

Lukas Thomas

Lukas Thomas ist Tierkommunikator, Rückführungsbegleiter, Medium und diplomierter Lebens- und Sozialberater aus Wien. In seiner Arbeit verbindet er fundiertes Wissen aus der Bewusstseinsforschung mit praktischer Erfahrung — für Menschen und Tiere.

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